Redaktioneller Hinweis: Dieser Gastbeitrag von Thomas Dahlmann erschien 2021. Er zeigt mögliche Formen skalierbarer Geschäftsmodelle. Angebote, Anbieter und Links können sich seitdem verändert haben. Skalierung ist außerdem kein automatisches Freiheits- oder Einkommensversprechen: Entwicklung, Vermarktung, Betreuung, Technik und Qualitätssicherung verursachen weiterhin Arbeit und Kosten.

Wenn Umsatz nicht ausschließlich an jede persönlich geleistete Stunde gebunden sein soll, lohnt sich ein genauer Blick auf Prozesse, Produkte und Kapazitäten. Dieser Beitrag stellt dafür verschiedene Möglichkeiten vor.

Doch beginnen wir am Anfang, wieso die meisten Jobs und Geschäftsmodelle nicht skalierbar sind.

 

Wo persönliche Kapazität Grenzen setzt

Leistungen lassen sich nicht einfach in „skalierbar“ und „nicht skalierbar“ einteilen. Bei persönlicher Beratung, Behandlung oder handwerklicher Arbeit begrenzt jedoch die verfügbare Zeit, wie viele Aufträge eine Person selbst übernehmen kann.

Diese Kapazitätsgrenze ist nicht automatisch ein Problem. Sie wird relevant, wenn Nachfrage, gewünschte Arbeitszeit und wirtschaftliche Ziele nicht mehr zusammenpassen. Dann kann geprüft werden, ob Prozesse, Gruppenformate, standardisierte Leistungen oder ein Team sinnvoll sind – ohne die Qualität der persönlichen Arbeit zu verlieren.

Der zentrale Engpass ist dabei:

Geld ist eine erneuerbare Ressource, Zeit nicht. Egal wie viel Geld wir haben, unsere Zeit wird immer begrenzt sein. Zeit ist kostbar.

Zeit und Geld sind unterschiedliche Ressourcen. Deshalb sollte ein Geschäftsmodell nicht nur auf Umsatz, sondern auch auf Belastung, Qualität und den gewünschten persönlichen Einsatz geprüft werden.

 

Was bedeutet Skalierbarkeit?

Um die Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen besser zu erkennen, lass uns einmal die Definition von Skalierbarkeit ansehen.

Laut Wikipedia bedeutet Skalierbarkeit die Fähigkeit eines Systems zum Wachstum. Der Begriff wurde vor allem im Bereich IT geprägt. Hier hat man beobachtet, wie weit sich ein System, durch das Hinzufügen weiterer Ressourcen, z.B. Hardware, proportional oder überproportional steigern lässt.

Also: Wie viel mehr Output bekomme ich durch mehr Input.

Wenn du nur Zeit gegen Geld tauschst, dann ist die einzige Ressource, die du hinzufügen kannst deine Arbeitszeit. Und die ist nunmal begrenzt.

 

 

Skalierbare Geschäftsmodelle im Überblick

Was ist ein Geschäftsmodell überhaupt? Und welche Eigenschaften machen es skalierbar?

Es gibt bisher keine einheitliche Definition für Geschäftsmodelle, aber hilfreiche Methoden (z.B. Business Modell Canvas), um ein Geschäftsmodell zu entwickeln bzw. zu analysieren und strategisch weiter zu entwickeln.

Kurz gesagt geht es beim Geschäftsmodell einfach darum, wie du mit deiner Idee Geld verdienst.

Deine Idee könnte es z.B. sein, ein Restaurant zu eröffnen.

Das Geschäftsmodell umfasst dann die Speisekarte, die Kunden, den Standort, usw.

Grundsätzlich lässt sich das Geschäftsmodell Restaurant skalieren, beispielsweise über ein Franchise-Modell, wie eine Fast-Food-Ketten sehr erfolgreich zeigen oder einfach mehrere Standorte und mehr Mitarbeiter.

Da es aber viel Zeit und Geld kostet ein Restaurant zu eröffnen und du außerdem an einen Ort gebunden bist, betrachten wir hier vor allem digitale Geschäftsmodelle, die am einfachsten zu skalieren sind.

Digitale Angebote können zusätzliche Kundinnen und Kunden erreichen, ohne dass jeder Nutzungsvorgang dieselbe persönliche Arbeitszeit erfordert. Grenzen bleiben dennoch bestehen, etwa bei Support, Technik, Reichweite, Datenschutz und Qualitätssicherung.

Die wichtigsten skalierbaren Geschäftsmodelle sind:

  • Digitale Informationsprodukte (z.B. Buch, Online-Kurs)
  • Selfpublishing (Bücher veröffentlichen ohne Verlag, beispielsweise über KDP (Kindle Direct Publishing))
  • Productized Service – eine standardisierte Dienstleistung
  • Affiliate-Marketing
  • Leads verkaufen (Kontakte mit hohem Kaufinteresse in einem bestimmten Bereich)
  • Mitgliederbereiche
  • Print-on-Demand (z.B. Merch by Amazon)
  • Handel mit physischen Produkten (z.B. Fulfilment by Amazon, Drophshipping)
  • Software-Entwicklung (App, Plattform – mit bubble.io geht das auch ganz ohne Programmierkenntnisse)

Vielleicht fällt dir auf, dass einige der Geschäftsmodelle durchaus mit physischen Bestandteilen zu tun haben. Das ist sowohl beim Verkauf eigener Taschenbücher übers Selfpublishing als auch beim Handel mit physischen Produkten beispielsweise übers Dropshipping der Fall.

Bei manchen Modellen übernimmt ein externer Dienstleister Teile von Lagerung, Versand oder Bestellabwicklung. Verantwortung für Auswahl, Kosten, Kundenerfahrung, Reklamationen und die Kontrolle des Dienstleisters bleibt trotzdem beim Unternehmen.

Zu deinen Aufgaben gehören dann unter anderemMarketing und der Reichweiten-Aufbau. Sobald das Buch oder der Toaster bestellt ist, kümmert sich ein anderer um die gesamte Abwicklung.

 

Welche Möglichkeiten du prüfen kannst

Bei manchen Dienstleistungen lassen sich wiederkehrende Bestandteile standardisieren oder durch Materialien und digitale Werkzeuge ergänzen. Gerade in Coaching und Beratung bleibt jedoch entscheidend, welche Fragen allgemeingültig vorbereitet werden können und wo der konkrete Einzelfall persönliche Aufmerksamkeit braucht.

Aus diesem Wissen kannst du beispielsweise einen Online-Kurs erstellen. Die grundlegende Produktion eines Kurses erfolgt zwar vor dem Verkauf, doch Aktualisierung, Vermarktung, technische Betreuung, Support und Qualitätssicherung bleiben laufende Aufgaben. Auch die Zahl der Teilnehmenden beeinflusst den Betreuungs- und Infrastrukturbedarf. Oder du kannst aus deiner Dienstleistung eine Methode entwickeln und Mitarbeiter einstellen, die diese Methode 1:1 beim Kunden anwenden. So skalierst du also über die Anzahl deiner Mitarbeiter.

Das kann für manche Selbstständige eine passende Entwicklungsrichtung sein. Statt 1:1 eine Dienstleistung anzubieten, baust du nun ein System auf, dass noch viel mehr Menschen ermöglicht von:

  • deinem Wissen,
  • deinem Problemlösungsansatz,
  • deinen Methoden,
  • deinen Reflexionsfragen und Übungsaufgaben,
  • deinen Empfehlungen,

zu profitieren und an ihr angestrebtes Ziel zu kommen.

Versteh mich nicht falsch: Zu Beginn deiner Selbstständigkeit ist die 1:1-Arbeit mit deinen Kunden eine wertvolle Lernphase für dich. Du erhältst direktes Feedback, kannst die Resultate deiner Arbeit direkt in der Praxis sehen und deine Vorgehensweise optimieren.

Es kann auch sein, dass dir der direkte Kontakt zu deinen Kunden unglaublich wichtig ist, dann wäre beispielsweise ein reiner Online-Kurs nicht das richtige für dich. 

Einige Coaches bieten Online-Kurse mit einer optionalen 1:1-Begleitung oder einer Community (z.B. Facebook-Gruppe) an, wo die Teilnehmer ihre Fragen stellen können. So verbinden sie einen sklalierbaren Online-Kurs mit einer 1:1-Komponente, für die wiederum passende Mitarbeiter eingestellt werden können.

Wenn du Kapazitätsgrenzen verringern möchtest, kannst du prüfen, ob standardisierte Leistungen, digitale Bestandteile oder ein Team zu deinem Angebot und zu deinen Kundinnen und Kunden passen. Mehr Freiheit oder Einkommen folgen daraus nicht automatisch.

 

Dein nächster Schritt

Bevor du dich für ein Modell entscheidest, vergleiche Nutzen, laufenden Aufwand, Risiken und die Anforderungen deiner Zielgruppe.

Als nächsten Schritt kannst du zwei oder drei Varianten anhand derselben Kriterien vergleichen. Auf der AKUT-Ressourcenseite findest du frei zugängliche Arbeitshilfen, mit denen du Angebote, Prozesse und nächste Schritte strukturieren kannst.

Nutze für jede Variante dieselben Prüfkriterien:

  • Vorwissen
  • Startkapital
  • Schwierigkeitsgrad
  • Zeitaufwand
  • Anlaufzeit
  • Potential

Eine belastbare Entscheidung entsteht nicht aus dem Etikett „skalierbar“, sondern aus der Passung zwischen Zielgruppe, Leistung, Ressourcen, laufendem Aufwand und Verantwortung.

 

Fazit

Technologien haben unsere Welt verändert und werden das auch weiter tun. Vor allem unsere Arbeitswelt unterliegt einem stetigen Wandel. Die Digitalisierung ermöglicht es Unternehmen und Selbstständigen wie nie zuvor, ihre Leistungserbringung von ihrer wertvollen Zeit zu entkoppeln, ihr Angebot zu skalieren und mehr Freiheit zu erreichen.

Für viele klassische Unternehmen stellt das eine große Herausforderung dar, aber für angehende Selbständige, die viel kleiner und flexibler sind, bietet dieser Wandel eine großartige Chance ein Leben zu führen, wie es früher wohl niemals möglich gewesen wäre.

Der nächste sinnvolle Schritt ist eine nüchterne Prüfung: Welcher Teil deines Angebots lässt sich wiederholbar gestalten, wo bleibt persönliche Begleitung unverzichtbar und welche laufenden Aufgaben entstehen zusätzlich?

Viel Erfolg!

Über den Autor: Thomas Dahlmann

Thomas ist Online-Unternehmerin seit über 15 Jahren.

Er hat mehrere Bestseller-Bücher im Bereich Finanzen/Online-Business geschrieben und ist Gründer der Online-Business-Akademie.

 

 

 

 

Möchtest du mehr Tipps zum Thema?

Kostenlose Leitfäden und Arbeitshilfen findest du auf der Ressourcenseite. Weitere Impulse kannst du per E-Mail abonnieren.