Mit KI zuverlässig arbeiten
Aufträge klären und Ergebnisse gemeinsam prüfen
Ein Social-Media-Beitrag liegt als Entwurf vor mir. Beim Lesen merke ich: Er bleibt zu allgemein, klingt schematisch und geht mir nicht tief genug. Dabei haben wir unsere Masterrichtlinie längst genau um diese Punkte ergänzt. Die KI sollte den Text damit abgleichen. Trotzdem entspricht das Ergebnis noch nicht dem, was wir vereinbart haben.
Das ist keine einzelne Panne, an die ich mich erinnere. Es ist eine Situation, die mir bei unserer gemeinsamen Contentarbeit immer wieder begegnet.
Also gebe ich meine Beobachtung zurück und fordere die KI auf, noch einmal den ganzen Entwurf mit der Richtlinie zu vergleichen. Nicht nur die Stelle, die mir aufgefallen ist. Häufig findet sie dann weitere Abweichungen. Es wird nachgebessert, ich lese erneut – und manchmal entdecke ich trotzdem noch etwas. Auch nach zwei oder drei Prüfrunden.
Nun könnte man sagen: Genau deshalb kann man KI nicht vertrauen. Diesen Einwand höre ich oft. Aber ich merke bei dieser Arbeit auch, dass ich selbst nicht alles sehe. Deshalb lasse ich meine Funde durch die KI ergänzen und prüfe anschließend wieder, was daraus geworden ist.
Mir macht diese Zusammenarbeit große Freude. Ich kann meine Geschichten, Ideen und Vorstellungen einbringen und gemeinsam mit KI Beiträge daraus entwickeln. Die Frage ist für mich deshalb: Wie gestalten wir diese Zusammenarbeit so, dass ich das Ergebnis guten Gewissens verwenden kann?
Wie aus meiner Idee ein gemeinsamer Entwurf wird
Bevor überhaupt ein Text vorliegt, beginnt die Arbeit mit einem Gespräch. Ich erzähle, was mich beschäftigt, welche Erfahrung ich teilen möchte und was bei den Lesern ankommen soll. Die inhaltlichen Ausgangspunkte und die Richtung kommen von mir. Daraus entsteht ein erster Entwurf.
Danach bitte ich die KI, mir weitere Fragen zum Thema zu stellen. Ich möchte meine Erfahrungen im Gespräch vertiefen können. Mit jeder Runde kommen Ergänzungen hinzu, und jedes Mal bekommt die KI auch den Auftrag, den Beitrag erneut mit der aktuellen Masterrichtlinie abzugleichen.
Die Szene mit dem Social-Media-Entwurf zeigt, warum mir diese Anweisung allein nicht genügt. Bevor etwas freigegeben wird, schaue ich selbst hin: Passt es zu dem, was ich sagen möchte? Hilft es den Lesern bei einer konkreten Frage? Und ich möchte nachvollziehen können, was die KI bei ihrer Gegenprüfung gefunden und geändert hat. Eine bloße Rückmeldung, alles sei geprüft, reicht mir dafür nicht.
Die KI kann meine Gedanken nicht lesen
Ein Teil dieser Arbeit beginnt bei mir. Ich versuche, präzise zu sagen, was ich möchte. Das gelingt mir nicht immer. Manches ist in meiner Vorstellung schon klar, aber noch nicht in den Worten, die ich der KI mitgebe.
Deshalb ist der erste Entwurf für mich auch eine Gelegenheit zur Verständigung. Ich sehe, was von meinen Ideen angekommen ist. Und ich fordere die KI ausdrücklich auf, mir weitere Fragen zu stellen. So kann ich meine Erfahrungen ergänzen und genauer beschreiben, was mir wichtig ist. Persönliche Erlebnisse soll sie dabei natürlich nicht selbst hinzuerfinden.
Das erinnert mich an die Zusammenarbeit mit Menschen: Auch dort reicht eine Anweisung nicht immer aus. Man muss miteinander klären, ob beide dasselbe meinen. Bei KI hilft mir diese Haltung, im Gespräch zu bleiben. Sie bedeutet aber nicht, dass die KI mich wie ein Mensch versteht oder Verantwortung für meinen Text übernimmt.
Genauso wenig liegt jeder Fehler an meinem Auftrag. Wenn ich nur einen praxisnahen Text verlange, braucht es vielleicht eine Rückfrage dazu, was ich darunter verstehe. Wenn ein konkretes Beispiel vereinbart ist und trotzdem fehlt, wurde eine klare Vorgabe übergangen. Und manchmal wünsche ich mir beim Lesen etwas Neues. Dann ist es eine neue Entscheidung, kein Fehler im bisherigen Entwurf. Diese Unterschiede helfen mir, gezielt nachzubessern.
Woran erkenne ich, dass es jetzt passt?
Der Beitrag soll ein konkretes, anwendbares Beispiel enthalten.
Allgemeine Empfehlung vorhanden.
Illustrative Verdichtung der beschriebenen Prüfsituation · © AKUT Coaching
Ein Text kann ordentlich gegliedert sein und trotzdem wenig helfen. Nehmen wir ein konstruiertes Beispiel: Eine Führungskraft möchte eine Vorlage für Aufgabenübergaben. Im Entwurf steht der Rat, Erwartungen klar zu kommunizieren. Das klingt vernünftig. Aber was soll das Team damit konkret tun?
Hilfreicher wären drei Fragen zum Ausfüllen: Welches Ergebnis wird erwartet? Wie sieht ein Beispiel dafür aus? Woran erkennen wir, dass die Aufgabe erledigt ist? Jetzt lässt sich die Vorlage an einer echten Aufgabe ausprobieren. Ob sie dafür taugt, muss sich bei dieser Anwendung zeigen.
So möchte ich auch den Abgleich mit meinen Vorgaben nachvollziehen können: Wo steht das verlangte Beispiel? Welche Passage hilft beim nächsten Schritt? Was fehlt noch? Dafür kannst du etwa diesen Auftrag verwenden:
„Prüfe meinen gesamten Entwurf gegen den beigefügten Master. Sage zuerst, welche Dokumente und Versionen du tatsächlich lesen kannst. Zeige zu jeder relevanten Vorgabe die konkrete Fundstelle. Suche auch außerhalb meiner Markierungen. Was fehlt, was ist unklar und was kannst du nicht prüfen? Erfinde keine Belege.“
Das ist ein Formulierungsvorschlag, kein wörtlicher Mitschnitt meiner Aufträge. Auch die Antwort darauf solltest du am Entwurf prüfen. Wenn die KI auf ein angeblich vorhandenes Beispiel verweist, öffne die Stelle und schau nach, ob sie wirklich das leistet, was du brauchst.
Damit wir beim nächsten Mal daran anknüpfen können
Wenn wir etwas Wichtiges herausarbeiten, möchte ich es für die nächste Aufgabe festhalten. Deshalb führen wir unsere Masterrichtlinie weiter. Dort steht, wie meine Artikel klingen sollen, wie ich sie bebildert haben möchte und was mir bei Praxisbeispielen und Quellen wichtig ist. Sie ist noch lange nicht perfekt. Sie wächst mit den Erfahrungen, die wir bei der Arbeit machen.
Das ist für mich ein wesentlicher Teil der Zusammenarbeit. Ich möchte einen Assistenten, der meine Vorstellungen immer besser umsetzt. Dafür müssen die Vereinbarungen auffindbar sein und bei der nächsten Aufgabe wieder zur Verfügung stehen. Ich kann nicht voraussetzen, dass die KI jede frühere Abstimmung automatisch kennt.
Für deine eigene Ablage hilft eine einfache Trennung. In den Master kommen wiederverwendbare Regeln: Tonalität, Zielgruppe, Formate, Bilder, Quellenwahl und -bewertung, Datenschutz und Freigaben. Das lohnt sich auch bei einer Aufgabe, die du nur einmal erledigst. Wie du Quellen bewerten möchtest, kann beim nächsten Thema genauso wichtig sein.
Für eine wiederkehrende Aufgabe hältst du zusätzlich den Ablauf fest: Welche Angaben werden gebraucht, welche Schritte und Prüfungen folgen, wer ist zuständig und was geschieht bei Ausnahmen? Lege ein geprüftes Beispiel dazu. Der einzelne Entwurf und deine Entscheidungen dazu bleiben in der Auftragsdatei.
Das kann in einer eigenen Dokumentenablage liegen, etwa in einem Drive-Ordner mit Master, Abläufen, Referenzen, Aufträgen und Archiv. Notiere bei Änderungen Version, Datum, verantwortliche Person und den Grund. Öffne die gespeicherte Datei zur Kontrolle und gib der KI beim nächsten Auftrag die aktuelle Fassung mit. Vertrauliche Angaben gehören dabei nur in Systeme, die für diesen Einsatz zugelassen sind; unnötige persönliche Angaben lässt du weg.
Nicht jeder Fehler braucht allerdings eine zusätzliche Regel. Wenn die Vorgabe bereits eindeutig im Master steht, müssen wir prüfen, warum sie im Ergebnis nicht umgesetzt ist. Noch eine Formulierung derselben Regel macht die Arbeit nicht automatisch besser.
Meine Erfahrung ist ein Ausgangspunkt. Was sagen die Quellen?
Ich möchte, dass meine persönliche Sicht in meinen Artikeln erkennbar bleibt. Gleichzeitig sollen die Beiträge fachlich fundiert sein. Deshalb bitte ich die KI in der Regel, passende Studien zu meinen Überlegungen zu suchen und die Quellen sauber zu benennen. Diese Recherche fällt ihr nach meiner Erfahrung wesentlich leichter als mir selbst.
Damit ist die Sache aber noch nicht geprüft. Eine Studie kann eine einzelne Aussage stützen, einschränken oder infrage stellen. Sie beweist nicht meine gesamte Arbeitshaltung. Deshalb gehört die Gegenfrage dazu: Welche Befunde sprechen gegen meine Einschätzung? Und passt die untersuchte Situation überhaupt zu dem, worüber ich schreibe?
Bei der Sprache kann ich selbst sagen: So würde ich es ausdrücken, das passt zu mir. Bei einer fachlichen Behauptung reicht dieses Gefühl nicht. Hier muss ich die Originalquelle öffnen und die genaue Stelle ansehen: Steht die Aussage dort wirklich? Wer hat sie untersucht, mit welcher Methode und für welche Zielgruppe? Wie aktuell und übertragbar ist der Befund? Wenn ich das fachlich nicht beurteilen kann, brauche ich Unterstützung von jemandem mit der passenden Fachkenntnis. Eine weitere KI-Antwort ist kein unabhängiger Beleg.
Ein begrenzter Blick in die Stack Overflow Developer Survey 2026 ist dazu interessant: Von 14.304 Personen, die die Vertrauensfrage beantworteten, gaben 48 Prozent an, KI-Ausgaben zu vertrauen, wenn sie diese leicht überprüfen können. Die Befragung wurde über die Stack-Overflow-Community beworben. Sie beschreibt dieses Umfeld, nicht alle Selbstständigen oder KI-Nutzer. Und sie zeigt, wann Menschen Vertrauen angeben – nicht, ob ihre Prüfung tatsächlich alle wichtigen Fehler findet. [1, 2]
Was mache ich, wenn sich eine Aussage nicht verlässlich prüfen lässt? Ich muss sie nicht um jeden Preis im Text behalten. Ich kann sie weglassen oder enger formulieren, soweit das belegt ist. Bei einer wichtigen Entscheidung kann ich warten, bis eine tragfähige Grundlage vorliegt. Noch ein paar Prüfrunden ersetzen diese Grundlage nicht.
Was darf ich mit dem Ergebnis jetzt anfangen?
Aussage passend eingrenzen, Quelle nennen und den vorgesehenen Einsatz beurteilen.
Fachkundige Prüfung einholen, Aussage weglassen oder die Entscheidung bis zur Klärung zurückstellen.
Prüfhilfe aus dem Artikel · keine Garantie für Fehlerfreiheit · © AKUT Coaching
Am Ende muss jemand entscheiden: Können wir diese Fassung verwenden, muss sie noch einmal überarbeitet werden oder stellen wir sie zurück? Bei meinen Artikeln liegt diese Entscheidung bei mir. Für deine Aufgabe kann eine andere Person zuständig sein. Halte fest, wer welche Version wann und für welchen Zweck freigibt. Bleibt eine wichtige Frage offen, notiere auch, wer sie wie klärt.
Im konstruierten Beispiel aus dem Arbeitsheft wird das unbelegte Versprechen gestrichen, die Übergabevorlage verhindere Missverständnisse. Die Führungskraft kann die Vorlage trotzdem an einer Teamaufgabe ausprobieren, wenn mögliche Fehler geringe Folgen haben und sich der Versuch rückgängig machen lässt. Das erlaubt noch keinen beliebigen anderen Einsatz. Wird die Vorlage wieder verändert, braucht auch die neue Fassung einen erneuten Blick.
Birgits Coaching-Tipp
Nimm dir einen aktuellen KI-Entwurf und eine Anforderung vor, bei der du unsicher bist. Notiere zuerst selbst, was du erwartest und welche Stelle noch nicht passt. Lass die KI anschließend den Entwurf anhand derselben Grundlage prüfen und ihre Fundstellen nennen. Vergleiche die beiden Prüfungen. Wo seid ihr euch uneinig, und was würde helfen, die Frage zu klären?
Halte am Ende eine konkrete Entscheidung fest: übernehmen, gezielt überarbeiten oder bis zur Klärung zurückstellen. So erhältst du einen nachvollziehbaren nächsten Schritt. Wenn du das Ergebnis selbst nicht ausreichend beurteilen kannst, suche eine geeignete zusätzliche Prüfgrundlage, bevor du es für eine wichtige Entscheidung verwendest.
Wenn du es mit deiner eigenen Aufgabe ausprobieren möchtest
Aus dieser Arbeitsweise ist das Arbeitsheft „Mit KI arbeiten und Ergebnisse prüfen“ entstanden. Es begleitet dich als Coachee von deiner ersten Idee bis zur Entscheidung und zur Dokumentation für das nächste Mal.
Du musst dir den ganzen Ablauf nicht merken. Das Heft führt dich durch acht Schritte: Aufgabe und Vorgaben klären, mit KI ins Gespräch kommen, den Entwurf und seine Quellen prüfen, gemeinsam nachbessern, entscheiden und Erfahrungen sichern. Auf zwölf Seiten helfen dir Bilder, ein durchgehendes gekennzeichnetes Beispiel, ausfüllbare Felder und acht kopierbare Prompts. Die Prompts unterstützen deine Arbeit; die Quellenprüfung und deine Endkontrolle bleiben nötig.
Lade die PDF herunter, öffne sie in einem PDF-Reader mit Formularunterstützung und speichere eine eigene Arbeitsdatei. Schau vor dem Schließen nach, ob deine Einträge erhalten sind.
Birgits Fazit
Wenn also wieder ein Entwurf vor mir liegt, der noch nicht passt, gehört die nächste Rückfrage für mich zur Arbeit dazu. Dass ich weiterhin kontrolliere, nimmt mir die Freude an dieser Zusammenarbeit nicht. Ich möchte meine Geschichten, meine Ideen und meine Vorstellungen einbringen. Die KI hilft mir beim Fragen, Recherchieren, Schreiben und Gestalten. Und ich prüfe, ob daraus der Beitrag geworden ist, den ich veröffentlichen möchte.
In meinen Gesprächen beobachte ich, dass intensive KI-Nutzer mehr umsetzen können, dadurch aber nicht automatisch weniger arbeiten. Das ist meine persönliche Beobachtung, keine allgemeingültige Aussage. Zeitersparnis steht für mich deshalb in dieser Diskussion nicht im Vordergrund.
Ich rechne auch nicht damit, irgendwann ganz ohne Gegenkontrolle auszukommen. Meine eigene Färbung soll erhalten bleiben. Es sind meine Inhalte und mein Name, unter dem sie erscheinen. Die KI kann mich dabei unterstützen; was ich freigebe, entscheide ich selbst.
Quellen
[1] Stack Overflow Developer Survey 2026 · AI data · Trust in AI tools →